Reviews

ohne nix

 

„ohne nix“ im Tanzquartier

ohne nix“ nennen Luke Baio und Dominik Grünbühel ihre neueste Arbeit, in der sie wieder ganz launig ihrer Experimentier- und Spiellust freien Lauf lassen. Futuristische Projektionen, biografische Versatzstücke und coole Dialoge ergeben 35 Minuten – ja, was? Nichts?

Was immer das Duo Luke und Dominik unternimmt, es tut es originell, auch wenn es diesmal im „nichts“ buddelt und dabei alle möglichen Episoden scheinbar willkürlich zusammenwürfelt. Dafür haben die beiden dann aber eine kluge Erklärung gefunden: Sie hätten eine Choreografie geplant und dabei so manch grandiose Idee ausprobiert – und wieder verworfen. Den Prozess kommentieren sie mit einem Video, das ihre Gesichter auf eine Art Totenmasken der beiden projiziert: wenn sie sich zum Beispiel an den Anfang ihrer künstlerischen Karriere in den 90er Jahren erinnern oder auf einer selbstgebastelten Gitarre klimpern. Oder wenn ihre Gesichter riesengroß auf ihren Bäuchen erscheinen, während sie die Muskeln rollen. Am Ende gibt es dann noch den ultimativen Show-Effekt mit einem Miniatur-Lichttunnel aus Rauch. Das alles ist heiter, sympathisch, ironisch, sorglos, aber sehr präzise zusammengeschustert und macht Spaß, auch deshalb weil die beiden Mut zum kurzen Format haben. Mehr als eine halbe Stunde gibt „nix“ wohl nicht her und das ist gut so. Das nächste Mal kommt schon wieder „etwas“.

Edith Wolf Perez, tanz.at
Online seit: 04. Mai 2013
 

TEIL 2: FEEDBACK [2ND EDITION] AM TANZQUARTIER WIEN

„Ohne Nix“, so der programmatische Titel der ersten Abendveranstaltung, ist ein vergnügsamer, kurzweiliger Abend, wo aus „Nix“ ziemlich viel entsteht. Zu Beginn schweben zwei Köpfe im leeren Raum. Mittels Video-Mapping sind die beiden Gesichter der Performer Luke Baio und Dominik Grünbühel exakt auf ihr eigenes Ton-Konterfei projiziert. Der Effekt ist überraschend überzeugend. Und während sich die beiden Bilder ihrer selbst im Plauderton über den kommenden Abend unterhalten, tauchen im Hintergrund die „echten“ Körper der Performer im Bühnenraum auf. Sie stellen ihren (gescheiterten) Prozess der Annäherung an das „Nichts“ dar, das ihre virtuellen „Ichs“ zugleich auf ironische und humorvolle Art kommentieren. Denn es ist gar nicht so einfach „ohne nix“ dem Nichts nahezukommen – das mussten die Beiden in ihren Vorproben dieser Uraufführung feststellen. So landen sie im Endeffekt bei allerlei körperlichen wie technischen Spielereien und zuletzt bei der eigenen Biografie und einem unterschätzen Klassiker der 90er Jahre: „I am blue dabendidabendei“.

Auch wenn die Dramaturgie des Abends teilweise fragwürdig erscheint, verbindet sich der Baukasten der verschiedenen „nichts-sagenden“ Elemente doch zu einem experimentfreudigen und selbstironischen Abend, der Spaß macht – gerne mehr davon!

Anna Wieczorek, tanznetz.de
Online seit: 27. April 2013

 

Shoot Me!

 

Festwochen: Eine Hommage an die Anfänge des Kinos

Shoot me“, Show über die Kamera, entzückte im Museumsquartier.

Luke Baio und Dominik Grünbühel zeigten bei den Festwochen im Tanzquartier-Studio ihre hinreißende Kreation „Shoot me – das Kinoauge“, eine Uraufführung. In einer kurzweiligen Stunde kann der Besucher verfolgen, wie ein Film entsteht. Die Show bezieht sich nicht auf das heutige Computerkino, sondern auf die Studio-Zeit. Die zwei Schauspieler kleiden sich immer wieder blitzschnell um, schwarz, weiß, schwarz, weiß. Hüte auf, Hüte ab.

Einer erklettert akrobatisch den anderen, hängt Prospekte aus und um, montiert Rahmen ab und woanders wieder auf. Es ist eine Mischung aus Artistik, Pantomime und Clownerie. Man sieht, wie Modefotos oder sonstige Werbung entstehen: Gib mir ein Lächeln! Zeig deine Zunge! Jetzt schmunzeln! Nein, nicht die Stirn runzeln! Die Verständigung erfolgt mit kurzen Lauten wie beim echten Shooting. Dazu gibt es eine amüsante Toncollage von Mathias Koch und Herbert Michael Kopitar, die offenbar live hergestellt wird, mit Musik, Geräuschen: Schmatzen, Seufzen, Murmeln – und Michael Jacksons Song „Black or White“.

Als die Bilder laufen lernten. Am Schluss wird Popcorn verteilt, und jetzt geht’s ans Ansehen des Filmes. Dazu werden altmodische Kinosessel aufgestellt. Die Schauspieler werden zu Zuschauern. Dieses Spiel vor und hinter der Kamera ist einer der vielen Reize dieser Aufführung: Beide Akteure sind identisch, austauschbar, Spieler und Kamera gehen ineinander auf wie in einem guten Film. Dieser ist atemberaubend, weckt Erinnerungen an Alt-Hollywood, speziell Krimis, aus der Zeit, als Spezialeffekte noch handgestrickt waren.

Durch die Schwarz-Weiß-Kostümierung verschwinden Körperteile der Akteure, sie scheinen zu schweben, wie flüchtende Verbrecher oder Agenten, über Dächer und andere Hindernisse… Shooting, schießen, in dem Wort steckt Gewalt, und eine Art von Gewalt verströmen die heutigen Model- und Castingshows. Hier kommt der Film wieder auf seine verspielten technischen und künstlerischen Anfänge zurück, als das Amateurhafte und das Professionelle noch näher beieinander waren. (…)

Barbara Petsch, Die Presse
Print-Ausgabe, 05.06.2011
 

Festwochen im TQ

Frau Mama liest Derrida

(…) Um die Veränderung des Blicks, wenngleich in ganz anderer Form, ging es auch bei der letzten Arbeit von „Signed, sealed, delivered“ in den Tanzquartier-Studios. Unter dem Präfix des russischen Filmavantgardisten Dziga Vertov verwandeln die jungen Tänzer Luke Baio und Dominik Grünbühel eine dadaistisch anmutende Performance in einen live erstellten Kurzfilm. Unter dem Titel Shoot me hantieren sie mit Rahmen, Hüten, Tassen, Perücken, bauen ein absurdes Schwarz-Weiß-Szenario, hängen eine Projektionsleinwand auf und verteilen Popcorn. Dann wird das Video gezeigt. Eine humorvolle Auseinandersetzung mit der frühen Avantgarde und hintergründige Abrechnung mit allzu puristischen Sehweisen.

Helmut Ploebst, DER STANDARD
Printausgabe, 6. Juni 2011

Von Müttern und neuen Medien

(…) Diese zu entzaubern versuchen Luke Baio und Dominik Grünbühel in „shoot me“. Sie verwandeln das Tanzquartier-Studio in ein Aufnahmestudio, das sie ständig verändern. Schwarze Vorhänge werden umgehängt, Tapes geklebt und wieder abgenommen, Aktionen in Szene gesetzt und das alles wird gefilmt. In der einstündigen Aufnahmen verändern die beiden immer wieder ihr Outfit, erscheinen mal im ganzweißen Anzug, dann wieder im weiß-schwarz geteilten. Außer in wenigen Momenten, in denen sie das Publikum für ihre Aufnahmen brauchen, scheinen sie es zu vergessen, und sind ganz auf ihr Shooting konzentriert. Die scheinbar sinnlosen Aktionen dieser Performance werden am Ende in einer Filmvorführung aufgelöst – inklusive Popcorn-Verteilung ans Publikum. Die zuvor auf dem Boden geklebten weißen Linien sind im Film ein komplexes Treppengefüge, auf denen die Balanceakte, die sie zuvor auf ebenem Boden vorgeführt haben, in einem neuen, sinnvollen

Zusammenhang erscheinen. Auch wenn die Lichtverhältnisse im Tanzstudio nicht den Idealbedingungen eines Aufnahmestudios entsprechen und daher die optischen Tricks nicht immer perfekt auf der Leinwand funktionieren, ist „shoot me“ eine interessantes Experiment zwischen live Performance und einer durch die Medien veränderten Realität. Damit sind der persönlichen Interpretation keine Grenzen gesetzt, doch Baio und Grünbühel legen es mit ihrer selbstverständlichen und unprätentiösen Art wohl nicht auf vordergründige Aussagen an.

Edith Wolf Perez und Ditta Rudle, tanz.at
Online seit: 06. Juni 2011
 

Spezialeffekte, Dreharbeiten und ein “Kinobesuch” der etwas anderen Art!

Shoot me – Signed, sealed and delivered

Die gute Stimmung der Gäste im Foyer des Tanzquatiers hat mir bereits einen positiven Eindruck vermittelt. Das Publikum kommt herein und es geht auch schon los! Die Künstler Luke Baio und Dominik Grünbühel beginnen bereits mit der Vorstellung.

Anfangs ist mir nicht klar gewesen, wann es endlich losgeht, ich habe ernsthaft gedacht, dass noch einige technische Proben durchgeführt werden, aber nach ein paar Minuten war klar: das alles gehört bereits dazu. Es war pures Entertainment und ich muss leider sagen, jeder, der es nicht gesehen hat, hat wirklich Etwas verpasst. Denn die zwei Tänzer arbeiten mit Musik- und Lichttechnikern zusammen. Schwarz und weiß sind die Farben der Show. Die Künstler erstellen aus Musik, Performance, Kostümen und Licht ein wahres Meisterwerk. Der Zuschauer wird auch oftmals in die Arbeit miteinbezogen. Luke Baio und Dominik Grünbühel ziehen sich zahlreiche Male um, sind für das „Bühnenbild“ zuständig und bedienen die Kamera, mit welcher sie einzelne Szene aufnehmen. Es stellt sich heraus, dass am Ende der „Dreharbeiten“ ein Kurzfilm gezeigt wird – mit altmodischem Kinosofa, auf welchem es sich die Tänzer bequem machen und Popcorn für alle. Während

der Präsentation gibt es eine Live-Gesangseinlage mit Gitarrenbegleitung der Tänzer von „Black Or White“. Bei Popcorn und guter Musik im Hintergrund entsteht ein einzigartiges Kinoerlebnis des heutigen Zeitalters.

Musik und Spezialeffekte

Schon sehr früh ist mir die extravagante und spezielle Musik aufgefallen. Wobei ich sagen will, dass ich mit diesen Adjektiven die Genialität der Musik betonen möchte. Es sind die einfachen Schluck- oder Atemgeräusche, welche der Performance das gewisse Etwas verliehen haben. Die Musik ist von Mathias Koch und Herbert Michael Kopitar live produziert und gespielt worden. Mit diversem Equipment, das die zwei Musikkünstler zur Hand hatten. Es war einfach „outstanding“ und ich hoffe sehr, dass eine CD aufgenommen wird, denn diese würde ich mir auf jeden Fall zulegen.

Eine DVD für jeden zum Mitnehmen gab es auch. Diese Idee finde ich phänomenal, da sie mich immer wieder daran erinnern wird, wie toll diese Vorstellung gewesen ist.

Durch die schwarz-weißen Kostüme und Kulissen wirkt es im Film oftmals als würden die Künstler schweben. Mit vielen kleinen Tricks zeigen sie, wie ein Film entstehen kann. Außerdem setzten sie mit “Shoot Me” einen wichtigen Beitrag zu Kommunikation und Intergration – schon allein durch die Farben und die Gesangseinlage.

Die Künstler und Mitarbeiter, die bei „Shoot Me“ mitgewirkt haben, würde ich im Auge behalten, denn ich bin mir sicher, dass in Zukunft noch viele ebenso atemberaubende Shows folgen werden. Also Augen und Ohren offen halten!

Stella Whitney Fuhs, die-junge-bühne.de
Online seit: 06. Juni 2011
 

shoot me

shoot me is a performance by Luke Baio and Dominik Grünbühel.

Plot:
shoot me does not have a plot per se. We watch Luke Baio and Dominik Grünbühel filming each other in more or less inscrutable movements and poses, changing costumes wildly, exchanging hats, dancing, moving sets. In the end they hand out popcorn and we get to see the short film they just made and which was edited live and got its soundtrack live, too.

shoot me was amazingly brilliant. It was fun to watch the process of the filming – with some very clever special effects (done in camera) – and the resulting film was really extremely cool – especially for a film that took only about an hour to make (not counting the planning which was extensive).

In the past four years that I have been a regular visitor of the Festwochen, I’ve seen three performances (including this one). I always went for something dance-related before and I always thought that it was going to be cool and it never really was. This year, I went for something only in the vaguest sense dance-related and it sounded so “high concept” that I was pretty sure it was going to suck. But, you know, no risk, no fun. Which makes it even better that this production was so utterly great and charming.

There was a very familiar atmosphere – there were only about 50 people in the room and they basically started to shoot as soon as the first people entered the room. Which meant that at first, you didn’t really know that they had already begun. But you were quickly transfixed by the goings-on on “stage”, by the rapid changes and the way Baio and Grünbühel worked together – they’re obviously very used to it and do it well.

The whole thing was accompanied by interesting sounds and nice music. And in the end, I was really excited to see the result – which was even better than I thought it would be. They promised to send us DVDs with the film (for those who couldn’t stay to wait around and since * had to leave, I didn’t stay arounde itehr) and I’m obsessively checking my mailbox to see if it hasn’t arrived yet. Really looking forward to that.

Summarising: I don’t know if they plan on showing it somewhere else, but if they do, you should definitely see it.

Kalafudra, WordPress Web Blog
Online seit: 11. Juni 2011

Dudes II: Dudes go camping

Dudes II: Dudes go camping

Die Kritik Die lähmende Mittelmäßigkeit der bei den Wiener Festwochen 2010 gezeigten Produktionen stimmt nachdenklich. Höchste Zeit über eine in jeder Hinsicht beglückende Performance zu berichten, die nachhaltig in Erinnerung geblieben ist: „Dudes II – Dudes go camping“ von und mit Luke Baio und Dominik Grünbühel, gesehen im WUK. The Dudes sind zwei äußerst sympathische Kerle. Immer locker in der Hüfte, tragen sie Brillen, Hüte und Masken, die Schaufensterpuppen ähneln. Schaufensterpuppen, denen ein Aggregat in den Bauch eingebaut wurde, das Stromstöße in ihre Extremitäten sendet. Aus der Abteilung für Hawaiihemden sind sie jetzt ausgebrochen und haben sich ein entspanntes Wochenende in der Natur gegönnt, so genannte outdoor recreational activity. Über einen verschlungen ausgelegten roten Teppich schritt man zum gemeinsamen Ferienfilm-Schauen.

Surround View an der Bar

Man lehnt gemütlich an der Bar, wo mitten im Vorführraum nicht nur geraucht werden darf, sondern sogar geraucht werden sollte! Dazu tönt entspannte Gute-Laune-Musik aus den Boxen bis Luke Baio und Dominik Grünbühel aka „the Dudes“ von drei riesigen Bodyguards – den „Three Germans“ – begleitet den Saal betreten. Sie bahnen sich ihren Weg durch die Menge, stellen eine Leinwand auf. Das Bild bewegt sich, das Auto darin auch und die Leinwand wird hinterhergetragen. Surround View an der WUK Bar. Wie im Heimatfilm kurven die Dudes durchs Land. Das 1 ½ Mann-Zelt haben sie schon aufgestellt auf dem Autodach dabei. Ein Halt, der Motor raucht, in die Luft fliegt zum Glück nichts. Während sich die beiden vor Angst in den Boden drücken, taucht der Ötzi auf und mopst sich ein Bier. Weiterfahrt ist nicht möglich, weiterschieben – wozu? Ein kleiner Schubs mit den Krücken genügt und das Gepäck lädt sich von selbst ab. Ist doch schön da, wo sie gerade sind und mit einem großen Lehnsessel ist es auch bequem. Die Gitarre wird als Lagerfeuer verheizt, die Ukulelen gezupft. Gute Kumpels, die sie nun einmal sind, teilen sie sich eine Tasse und machen in den zwei Scherben Tee. Am nächsten Morgen, machen sie sich auf, die Gegend zu erkunden und verlaufen sich prompt.

Irgendwann fügt sich alles ganz selbstverständlich in ein Happy End

Die Filmszenen werden live nach Kräften unterstützt. Dazu kidnappen die „Three Germans“ einen Schlagzeuger (feinfühlig: Mathias Koch), der fortan das Tempo geben muss. Immer eiliger bewegen sich die Dudes in ihrem eigenwilligen, schlacksigen und zugleich elektrischen Stil durch die Szenerie. Dazu lässt der portugiesische Ninja (Raul Maja) die Puppen tanzen. Luke Baio steigert sich in eine wilde Stepnummer hinein und wird dabei von einer ganzen Puppengruppe unterstützt. Dominik Grünbühel schwingt sich auf Krücken, die nach einer Fersenverletzung als Accessoire geblieben sind, dahin. Während der Ötzi suchend durch den Wald hirscht, tanzen die Dudes über die rundum aufgestellten Bühnen und Laufbänder. Irgendwann fügt sich alles ganz selbstverständlich in ein Happy End. Gleichermaßen Tänzer wie Musiker, greifen Luke Baio zu E-Gitarre, Dominik Grünbühel zu E-Bass, Raul Maia zum Mikrofon und bilden mit Mathias Koch eine Band, ohne dabei aus ihren Rollen zu fallen. Frei nach „Rawhide“ von Frankie Lane ergänzen die „Three Germans“ das große Finale mit einer Blues-Brothers-mäßigen Choreografie. Nach dem Debüt der Dudes beim Festival Crossbreeds 2009 ist Luke Baio und Dominik Grühnbühel mit „Dudes go camping“ eine rundum erfreuliche zweite Folge gelungen. Sie präsentieren ihre Mischung von Musik, Visuals, Action, Show mit einer Leichtigkeit, als hätten Sie nie etwas anderes gemacht. Dafür gab es verdienten, großen Applaus. Let’s do the Dudes-Walk again!

Kulturwoche.at, Christine Koblitz
Online seit: ca. 25.02.2010